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Billrothstraße 1, 9800 Spittal/Drau

30.03.2018

Diagnose Krebs: Mut, Sinn und Hoffnung geben

In Österreich erhalten jährlich rund 40.000 Menschen die Diagnose Krebs.

Ende 2015 gab es in Österreich über 340.000 an Krebs erkrankte Menschen und die Tendenz ist weiter steigend. Während das Neuerkrankungsrisiko tendenziell zurückgeht, zeichnet die zunehmende Alterung für die wachsende Zahl der Neuerkrankungen verantwortlich, da Krebs als Krankheit des höheren Alters gilt. Laut einer aktuellen Prognose der Statistik Austria werden 2030 knapp 5 % aller Österreicherinnen und Österreicher von der Diagnose Krebs betroffen sein. Im Bundesländervergleich 2013 - 2015 wies Kärnten mit durchschnittlich 553 Neuerkrankungen je 100.000 Einwohner die zweithöchste Erkrankungsrate auf.

Die gute Nachricht: Die Überlebenschance in Österreich ist höher als in den meisten anderen europäischen Ländern. Einen kleinen, aber lebensrettenden Beitrag dazu leistet auch das Krankenhaus Spittal/Drau.

 

Menschenorientierte Medizin heißt mehr als nur Therapie

Seit 2003 gibt es im Krankenhaus Spittal/Drau eine onkologische Tagesklinik, die die primäre Anlaufstelle für alle Krebspatientinnen und -patienten in Oberkärnten ist, die keiner stationären Behandlung bedürfen. Pro Tag sind es 20 bis 30 Menschen, die tagesklinisch betreut werden. „Es ist fast wie in einer Ordination“, gibt Dr. Susanne Schwarz, Leiterin der onkologischen Tagesklinik, einen ersten Einblick in ihre Arbeit. Damit meint sie vor allem die Wichtigkeit der Arzt-Patient-Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht: „Als Patientinnen und Patienten wissen wir selber, dass die Empathie beim Hausarzt eine Grundvoraussetzung ist. Noch wichtiger ist diese, wenn es um eine schwerwiegende Erkrankung geht, wie es bei uns in der Onkologie oft der Fall ist. Deshalb spielen Mitgefühl und menschliche Nähe eine Schlüsselrolle in der Behandlung von Krebskranken und sind auch mitverantwortlich für den Erfolg einer Therapie.“

 

Patient und Arzt auf Augenhöhe

Dafür ist eine gute Arbeitsatmosphäre notwendig, die von freundlichem Umgang miteinander und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Im Team von Dr. Schwarz, zu dem noch zwei weitere Ärzte, drei speziell geschulte Diplomkrankenschwestern, eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin sowie Diätologinnen gehören, wird darauf besonderen Wert gelegt. „Wir kennen uns seit fast 15 Jahren und kommen jeden Tag mit dem gleichen positiven Gefühl zur Arbeit, das wir auch unseren Patientinnen und Patienten zu vermitteln versuchen“, hebt Dr. Schwarz hervor und leitet zum zweiten wesentlichen Aspekt der Arbeit in der onkologischen Tagesklinik weiter: „Der Großteil unserer Tätigkeit erfolgt im direkten Kontakt mit den Betroffenen und ihren Angehörigen.

Sie befinden sich in einer sehr schwierigen Lebenssituation. Es ist unsere Aufgabe, sie durch ihre Traurigkeit und Unsicherheit zu begleiten, aufzuklären, ihnen Mut zu machen und Sinn und Hoffnung zu geben“. Die Patientinnen und Patienten dort abzuholen, wo sie stehen, erfordert große Sensibilität und Einfühlungsvermögen, was im Studium meist nicht erlernt werden kann. Die psychoonkologische Betreuung hält die erfahrene Ärztin für einen integralen Bestandteil der modernen medizinischen Behandlung von Krebskranken und setzt diese bei jeder Patientin und jedem Patienten in der onkologischen Tagesklinik des Krankenhauses Spittal/Drau mit besonderer Sorgfalt um. „Jedes Arzt-Patient-Gespräch hat das Ziel, die Betroffenen zu informieren und zu ermutigen. Diese Art der motivierenden Gesprächsführung ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen und hilft mir zu verstehen, was meine Patientinnen und Patienten bewegt. So bin ich auch selbst besser in der Lage, ihnen zu helfen“, so Dr. Schwarz.

Eine besondere Unterstützung bekommt die Ärztin auch von der klinischen Psychologin und Psychoonkologin MMag. Renate Gruber, die den Patientinnen und Patienten für Gespräche und begleitende Entspannungstherapien zur Verfügung steht und somit den Großteil der psychologischen Betreuung trägt.

 

Netzwerk für interdisziplinäre Onkologie

Darüber hinaus sind Dr. Schwarz und ihr Team auf diesem Weg nicht allein. Denn im Krankenhaus Spittal/ Drau wird die Onkologie immer interdisziplinär behandelt. „Der Diagnose und Therapieprozess besteht aus mehreren Schritten, gemeinsam mit einem großen Spezialistenteam. Mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Gynäkologie, Chirurgie, der Radiologie und der Labormedizin können wir eine ganzheitliche Versorgung anbieten. Unsere gebündelten Kompetenzen sorgen für Qualität und Sicherheit“, streicht Dr. Schwarz die Bedeutung der Zusammenarbeit heraus.

Diese geht im Krankenhaus Spittal/ Drau zudem weit über die eigenen Grenzen hinaus – von den Hausärztinnen und Hausärzten in der Region bis zu einem onkologischen Netzwerk, das Gesundheitseinrichtungen in Klagenfurt, Villach, Linz, Innsbruck, Graz und Wien umfasst. Jeder einzelne Fall wird im so genannten Tumorboard analysiert, das von Dr. Schwarz im dreiwöchentlichen Rhythmus organisiert wird. Über eine Videokonferenz nehmen Ärztinnen und Ärzte des Krankenhauses Spittal/Drau aus den Bereichen Onkologie, Gynäkologie, Chirurgie und Radiologie am interdisziplinären Tumorboard teil und besprechen jeden neuen Befund mit ihren Kollegen Prim. Univ. Prof. Dr. Eisterer von der Onkologie und Prim. Dr. Raunik von der Strahlentherapie des Klinikums Klagenfurt. „So gestalten wir den Therapieplan optimal im Sinne des Patienten und ermöglichen eine ganzheitliche Behandlung“, erklärt Dr. Schwarz.

 

Bindeglied mit der High-End-Medizin

Ihr eigener Weg in die Onkologie wurde bereits während des Medizinstudiums durch die jahrelange wissenschaftliche Mitarbeit bei Prof. Petru an der onkologischen Tagesklinik der Gynäkologie im LKH Universitätsklinikum Graz geebnet, die sie auch im Laufe ihrer Turnusausbildung am Krankenhaus Spittal/ Drau fortgesetzt hat. Über die regelmäßige Teilnahme an Tumorkonferenzen und die Zusammenarbeit mit OA Dr. Krassnitzer in Spittal während ihrer Ausbildung zur Internistin wurden Kontakte zum Klinikum Klagenfurt geknüpft, wo sie dann ihre Ausbildung zur Fachärztin für Hämatologie und internistischen Onkologie absolvierte.

Heute ist Dr. Schwarz nicht nur Leiterin der onkologischen Tagesklinik im Krankenhaus Spittal/Drau, sondern auch Supervisor bzw. Konsiliarfachärztin für Ärztinnen und Ärzte des Krankenhauses Spittal/Drau, die Krebskranke an der Bettenstation betreuen. Außerdem bearbeitet sie Fragestellungen und erstellt Befunde für ihre Kolleginnen und Kollegen aus dem niedergelassenen Bereich. Sie leistet Hilfestellung in Form von Kriseninterventionen für Menschen, die zum ersten Mal die Diagnose Krebs hören, begleitet sie durch den gesamten Heilungsprozess, ist aber auch für die Sterbevorbereitung und -begleitung zuständig, wenn die Krankheit überhandnimmt. Krebskranke Menschen zum Überleben zu verhelfen, bleibt jedoch ihr Credo als Ärztin: „Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Krebsbetroffenen in unserem ländlichen Bereich und der sich immer schneller entwickelnden High-End- Medizin“, fasst Dr. Schwarz zusammen.

 

Wussten Sie, dass…

…das Krankenhaus Spittal an der Drau im Bereich Onkologie auf die Unterstützung zweier wertvollen Partner aus der Region zählen kann?

Die Österreichische Krebshilfe Kärnten versteht sich als Kompetenzzentrum zum Thema Krebs, das die Bevölkerung über Maßnahmen zur Vermeidung und Früherkennung von Krebserkrankungen informiert, professionelle Hilfe und Beratung für Erkrankte und Angehörige leistet und die Krebsforschung fördert.

Die Dipl. Ing. Kurt Schön – Stiftung widmet sich ebenso krebskranken Patientinnen und Patienten aus Oberkärnten und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des psychoonkologischen Betreuungsangebots im Krankenhaus Spittal an der Drau.

 

Bild 1: Das Team der onkologischen Tagesklinik im KH Spittal/Drau (v.l.n.r): DGKP Maria Pichler, OA Dr. Susanne Schwarz, OA Dr. Manuel Schneckenburger, DGKP Bianca Feichter, DGKP Kerstin Schmahl. Nicht auf dem Bild: Dr. Alexandra Bieg, ebenso Teil des Teams

Bild 2:
MMag. Renate Gruber: klinische Psychologin und Psychoonkologin im KH Spittal/Drau

Bild 3:
OA Dr. Susanne Schwarz, Leiterin der onkologischen Tagesklinik