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Billrothstraße 1, 9800 Spittal/Drau

29.01.2021

Ein weiterer Meilenstein: Impfstart im KH Spittal/Drau

Mit der Zulassung und in weiterer Folge der Verteilung der ersten Impfdosen gegen Covid-19 kann auch das Krankenhaus Spittal/Drau den Kampf gegen das Virus weiter unterstützen. Denn seit der Auslieferung des Impfstoffes vergangene Woche werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses schrittweise gegen Covid-19 geimpft.

In einem Interview geben der medizinische Direktor Dr. Gerald Bruckmann und sein Stellvertreter und Leiter der Chirurgie Primar Dr. Alexander Pertl Einblick in den Impfstart im Krankenhaus Spittal/Drau und erklären, warum die Impfung so einen wichtigen Schritt in der erfolgreichen Bewältigung der Covid-19 Pandemie darstellt.

Dr. Bruckmann, wie läuft die Impfung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Ihnen im Haus ab?

Wir haben neben der bei uns bereits seit Monaten bestehenden Teststraße nun auch eine Impfstraße eingerichtet. Dort kümmert sich unser Impfteam, bestehend aus zwei Ärzten, zwei Diplomkrankenpflegern und zwei administrativen Kräften darum, dass die notwendigen Daten registriert, die zu impfenden Personen vollumfänglich aufgeklärt und nicht zuletzt die Impfung selbst verabreicht wird. In fünf Minuten ist alles erledigt.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bereits geimpft?

Wir haben im ersten Schritt 300 Impfdosen erhalten, mit denen wir an den bereits stattgefundenen beiden Impftagen 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft haben. Im Abstand von drei Wochen wird die zweite Teilimpfung verabreicht.

Was ist mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die jetzt nicht geimpft wurden?

Da derzeit nur begrenzte Impfdosen zur Verfügung stehen, wurden entsprechend den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums prioritär Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft, die in Covid-19 und nahen Bereichen tätig sind oder im engen Kontakt mit besonders schützenswürdigen Personen stehen. Die Impfung aller weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aufgrund der Priorisierung nicht berücksichtigt werden konnten, folgt unmittelbar, sobald weitere Impfdosen verfügbar sind.

Welchen Impfstoff haben Sie verwendet?

In der EU ist derzeit nur der Covid-19 Impfstoff Comirnaty der Unternehmen Pfizer/BioNTec und Moderna zugelassen. Diese Impfstoffe wurde wissenschaftlich geprüft und hat alle Vorgaben des umfangreichen Zulassungsverfahren durchlaufen. Demnach kam bei der Impfung bei uns im Krankenhaus auch dieser Impfstoff zum Einsatz.

Dr. Pertl, können Sie uns erklären, wie die Impfung genau funktioniert?

Dieser Impfstoff ist ein so genannter mRNA Impfstoff. Vereinfacht erklärt, schicken die Wirkstoffe in dieser Impfung einen Code an gewisse Zellen des Immunsystems. Dieser Code liefert einen Bauplan über die Oberfläche des Virus an die Zellen, die auf Basis des Bauplans Antikörper bilden. Wichtig dabei ist: Es hält sich das Gerücht, dass diese Impfung unser Erbmaterial verändern könnte. Das ist jedoch rein technisch gar nicht möglich, zumal unser Erbmaterial auf DNA und der Wirkstoff auf mRNA, also vollkommen anderen Stoffen, beruht.

Es tauchen immer wieder neue Mutation des Virus auf. Wirkt die Impfung auch dagegen?

Die positive Nachricht ist, dass der aktuell verwendete Impfstoff auch gegen die derzeit bekannten Mutationen wirkt. Darüber hinaus ist anzumerken, dass mRNA-Impfstoffe relativ rasch adaptiert werden können, sodass man auch auf etwaige andere Mutationen kurzfristig reagieren wird können.

Warum ist die Impfung wichtig?

Die Impfung ist derzeit die einzige Möglichkeit, nicht selbst an Covid-19 zu erkranken bzw. zu 95% keinen schweren Krankheitsverlauf durchzumachen. Damit schützen wir uns selbst und auch andere. Wenn viele ältere Menschen geimpft sind, die statistisch gesehen häufiger schwer erkranken, ist mit der Impfung eine Senkung der schweren Erkrankungen in dieser Altersgruppe und damit eine Senkung der Fallzahlen in den Krankenhäusern zu erwarten. Gemeinsam können wir also dazu beitragen, Platz für Patientinnen und Patienten zu schaffen, die aus anderen Gründen als einer Covid-19 Erkrankung auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Die Zeit wird zeigen, wie gut die Impfung darüber hinaus die Ansteckungsrate reduzieren kann. Die Übertragung zu minimieren wäre ein weiterer großer Erfolg.

Ist die Impfung für jeden geeignet?

Im Großen und Ganzen ja. Jedoch werden Jugendliche unter 16 Jahren, ebenso wie Schwangere nicht geimpft, da noch keine ausreichenden Studienergebnisse dazu vorliegen. Eine weitere Ausnahme bilden, wie bei jedem anderen Medikament auch, Personen, die gegen einen der Wirkstoffe allergisch reagieren. Bei Personen mit einer akuten Erkrankung oder nach einer Operation wird eine überschaubare Zeit abgewartet, aber dann ist die Impfung nach Rücksprache mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten selbst für sie geeignet.

Was würden Sie all jenen sagen, die sich nicht impfen lassen möchten?

Ein Spruch fasst das für mich sehr gut zusammen: Wenn du die Impfung nicht versuchen möchtest, probier es mit der Krankheit. Leider sind wir alternativlos, so etwas wie Medikamente oder spezielle Behandlungsmethoden gibt es noch nicht.  Wer sich impfen lässt, schützt sich selbst und damit auch andere.

Mit welchem Gefühl blicken Sie in die Zukunft?

Ich bin zuversichtlich, dass wir bis zum Sommer eine hohe Durchimpfungsrate in Österreich erreichen. Mit der Zulassung weiterer Impfstoffe wird die Impfstoffproduktion kräftig angekurbelt und ermöglicht, mehr Impfungen für mehr Menschen zur Verfügung zu stellen.

Und zum Abschluss: Sind Sie eigentlich schon geimpft Dr. Pertl und hat es weh getan?

Ja, ich war gleich beim ersten Impftermin dabei. Die Impfung tut nicht mehr oder weniger weh, wie eine andere Impfung. Da braucht sich niemand zu fürchten.

Bild 1: Die Covid-19-Impfung ist ein weiterer Meilenstein in der Bekämpfung der Pandemie.

Bild 2: Das Impfteam im KH Spittal hat die Impfstraße voll im Griff.

Bild 3: Medizinischer Direktor Dr. Gerald Bruckmann

Bild 4: Primar Dr. Alexander Pertl