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Billrothstraße 1, 9800 Spittal/Drau

19.06.2020

Intensiv betreut - nicht nur in Corona-Zeiten

Im Krankenhaus Spittal/ Drau ist der Blick in die Zukunft gerichtet, in der langsam wieder Normalität in den Krankenhausalltag einkehren kann.

Nachdem das Bundesland Kärnten von einer hohen Infektionsrate mit COVID-19 verschont und das Patientenaufkommen in dem Zusammenhang überschaubar geblieben ist, wird nun daran gearbeitet, die strengen Schutzvorkehrungen Schritt für Schritt zu lockern.

So sind unter Einhaltung bestimmter Sicherheitsmaßnahmen seit Mitte Mai beispielsweise wieder Besuche im Krankenhaus möglich und auch der Operationsbetrieb läuft nach einer Phase des Wiederhochfahrens seit Anfang des Monats wieder im Vollbetrieb. Denn die medizinische Versorgung ist für Corona- ebenso wie für alle anderen Patientinnen und Patienten für das Krankenhaus Spittal/Drau von oberster Priorität. Dass es jetzt jedoch noch zu früh ist, die Schutzmaßnahmen grundsätzlich einzustellen, unterstützt Primarius Dr. Claus-Michael Stock.

Er leitet seit 15 Jahren die Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin im Krankenhaus Spittal/Drau, die in der Situation auch Schwerstfälle von COVID-19 intensivmedizinisch, schmerz und physiotherapeutisch, betreuten. „Auch wenn wir uns glücklich schätzen können, dass wir hier in Kärnten nicht mit einer Situation wie in Italien konfrontiert wurden, legen wir nach wie vor großen Wert auf die Einhaltung essenzieller Schutzmaßnahmen wie beispielsweise die Nutzung von Schutzkleidung“, stellt der Primar klar. „Das ist von großer Bedeutung, um unsere Patientinnen und Patienten und uns selbst nicht zu gefährden, auch wenn es eine enorme zusätzliche Herausforderung darstellt. Das haben die Kolleginnen und Kollegen aller Fachbereiche hier im Haus wirklich hervorragend gemeistert.“

Offener Austausch

Das ist aber nicht alles, was das 13-köpfige-Team der Anästhesie und Intensivmedizin geleistet hat. „Wir haben es hier nicht nur mit einem unbekannten Virus, sondern auch einer vollkommen unbekannten Situation zu tun gehabt,“ gibt Dr. Stock Einblick. „Zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten war es daher umso wichtiger, die Kommunikation zu intensivieren. Sich mit anderen Fachexpertinnen und -experten auszutauschen und Behandlungen und Schutzmaßnahmen gemeinsam aufzustellen, war das Naheliegendste, was wir hier tun konnten.“

So nahmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Krankenhaus Spittal/ Drau an unterschiedlichen Onlineschulungen teil, um sich spezifisch für den Umgang mit der Krankheit weiterzubilden und sie nutzten ihre persönlichen Kontakte, um sich virtuell mit Lungenspezialisten, aber auch Intensivmedizinern aus Italien auszutauschen und aus deren Erfahrungen zu lernen. Parallel dazu fanden krankenhausintern aber auch krankenhausübergreifende Lagebesprechungen statt, bei dem medizinische und pflegerische Wissensträger gemeinsam über den Einsatz von Medikamenten wie auch Therapien entschieden.

Raum für Menschlichkeit

Von den zusätzlichen Aktivitäten einmal abgesehen, musste auch der „normale“ Krankenhausbetrieb weiterlaufen. Die akuten (COVID-19-)Fälle auf der intensivmedizinischen Station werden nach wie vor in einer Kombination aus spezifischen Medikamenten und höchsten technischen Standards durchgeführt. Das verbindende menschliche Element war in dieser Situation schwierig umzusetzen, erklärt der Intensivmediziner: „Damit sich unsere Patientinnen und Patienten sicher und aufgehoben fühlen, braucht es auch in der Behandlung menschliche Zuwendung. Etwas, das so in der Form gerade nicht umsetzbar ist. Ein klassisches Händeschütteln, ein tröstendes Hand-auf-die- Schulter-legen ist genauso wenig möglich wie die Nähe zu den Angehörigen. Gerade am Anfang mussten wir viele Gespräche telefonisch führen, die wir eigentlich mit besonders viel Bedacht und Einfühlsamkeit am Krankenbett geleistet hätten. Es galt die Ängste und Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und das nur auf telefonischem Weg auf die Sachebene herunterzubrechen, während man selbst unsicher in die Zukunft blickt. Gute Nachrichten zu überbringen waren da ein Highlight meines Tages.“ Dass es eine positive Zukunft gibt, in der der menschliche Zugang wieder die zentrale Rolle in der Behandlung spielt, stimmt Dr. Stock zuversichtlich: „Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, dass wir einen guten Weg gefunden haben, auf dem die Angehörigen den Patientinnen und Patienten nun wieder persönlich Energie spenden können. Und das tun auch wir alle hier im Krankenhaus Spittal/Drau mit allen uns verfügbaren Mitteln.“

Jeder leistet seinen Beitrag

Nicht nur die Intensivmedizin, jeder einzelne Mitarbeiter und jede einzelne Mitarbeiterin hat einen Beitrag dazu geleistet, das Krankenhaus COVID-19-fit zu machen. „Alle haben an einem Strang gezogen, um Patientinnen und Patienten und Angehörige zu informieren, Schutzausrüstung bereitzustellen, organisatorisch getrennte COVID-19-Bereiche zu schaffen, Dienstpläne zu adaptieren oder für sonstige Infrastruktur zu sorgen“, schildert Dr. Stock. Besonders beeindruckt zeigte er sich von den Kolleginnen und Kollegen aus dem ärztlichen und dem Pflegedienst, die sich freiwillig dazu bereit erklärt haben, ihr Wissen und ihre Erfahrungen in der Intensivmedizin aufzufrischen oder nachzuschulen, um das Fachpersonal der Intensivmedizin und -pflege im Ernstfall zumindest mit Assistenztätigkeiten zu unterstützen. „Wenn wir in der Krisenzeit eines beweisen konnten, dann ist es Flexibilität. Dafür möchte ich an dieser Stelle auch einen großen Dank an die kollegiale Führung aussprechen, die in den letzten Wochen jedwede und unbürokratische Unterstützung geleistet hat.

Wir wussten, dass die Situation von einem auf den anderen Tag ganz anders aussehen konnte und genau darauf haben wir uns Woche für Woche immer besser eingestellt. Und zwar jeder einzelne in den Bereichen, in denen es jeweils möglich war“, betont der Primar. „Das werden wir auch für die Zukunft mitnehmen. Denn dass man aus jeder Krise etwas lernen kann, davon bin ich überzeugt.“

Die aktuellen Besucherregeln

Besucherinnen und Besucher haben täglich zwischen 13 und 19 Uhr die Möglichkeit, die Patientinnen und Patienten im Krankenhaus Spittal/Drau zu besuchen. Dafür gelten entsprechend den aktuellen Rahmenbedingungen und Vorschriften folgende Regelungen:

• Es ist keine Voranmeldung des Besuches notwendig • Nur ein Besucher pro Patient • Maximale Besuchsdauer: 30 Minuten

• Zutritt über den Haupteingang Billrothstraße 1

•Am Eingang wird beim Besucher Fieber gemessen

• Der Mund-Nasen-Schutz muss während des gesamten Besuches getragen werden

• Beim Eintritt müssen die Hände desinfiziert werden

• Ausfüllen des Besucherformulars und Hinterlegung eines Ausweises (dieser wird beim Verlassen beim Infoschalter wieder retourniert)

Bild 1: Primarius Dr. Claus-Michael Stock beschäftigt sich als Intensivmediziner mit den besonders schweren COVID-19-Fällen.

Bild 2: Im Krankenhaus Spittal/Drau herrscht seit der Pandemie ein noch größeres Bewusstsein für die hohen Hygienestandards.