
Mag. Robert Erlacher (r.) und Ing. Roland Schmid zeigen Nachhaltigkeit im Krankenhausalltag.

PV-Anlagen, begrünte Dächer und moderne Haustechnik helfen dem Krankenhaus Spittal, Energie zu sparen.
17.07.2026
"Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehören zusammen!"
Ein Krankenhaus braucht so viel Energie wie eine kleine Stadt. Operationssäle, Lüftung, Kühlung, Wärme, Wasser, Küche und Medizintechnik laufen täglich durch. Im Krankenhaus Spittal/Drau wird deshalb seit Jahren daran gearbeitet, Ressourcen nachhaltig zu nutzen.
Geschäftsführer Mag. Robert Erlacher und der Leiter der Haustechnik Ing. Roland Schmid sprechen im Interview über Fernwärme, Photovoltaik, moderne Technik, weniger Papier, regionale
Lebensmittel und klare medizinische Grenzen.
OKN:Herr Erlacher, Herr Schmid, wann hat das Krankenhaus Spittal/Drau begonnen, Nachhaltigkeitsprojekte bewusst umzusetzen?
Mag. Robert Erlacher: Wir machen das eigentlich schon immer, aber ein wichtiger Schritt war 2012 der Anschluss an die Fernwärme. Wir hatten ursprünglich zwei Gaskessel. Als die KELAG das Fernwärmenetz ausgebaut hat, haben wir das Projekt als Großabnehmer unterstützt. Heute sieht man, wie richtig das war. Die Wärme kommt regional aus Holz. Dadurch sind wir deutlich unabhängiger von fossilen Energieträgern, insbesondere von Erdgasimporten, geworden.
Ing. Roland Schmid: Damals war Nachhaltigkeit noch nicht so präsent wie heute. Trotzdem haben Direktion und Haustechnik früh daran gearbeitet. Bereits 2013 wurde am Personalhaus die erste PV-Anlage mit 60 Kilowatt Peak errichtet. Ab 2015 haben wir begonnen, die Beleuchtung auf LED umzustellen und damit Strom zu sparen.
OKN:Wo liegen die Möglichkeiten und Grenzen solcher Projekte?
Erlacher: Nachhaltigkeit ist ein laufender Prozess. Es geht um Themen wie Energie, Wasser, Abfall, Einkauf, Lebensmittel, Technik und Abläufe. Die medizinische Betreuung steht aber immer
im Vordergrund. Wir sind dort nachhaltig, wo es medizinisch vertretbar ist.
Schmid: Wir haben gesetzliche Vorgaben, vor allem bei Klima und Lüftung. Wenn es warm ist, müssen wir die Luft kühlen. Wenn es notwendig ist, müssen wir sie auch trocknen. Der OP-Bereich ist mit Lüftung und Klima natürlich einer der größten Stromverbraucher.
OKN: Was wurde hier technisch verbessert?
Schmid: Wir haben unlängst die Kälteanlagen erneuert. Die neuen Anlagen sind effizienter und die Kühlmittel entsprechen dem neuesten Stand der Technik. Auch Einschaltzeiten der Lüftung, Heizkreisläufe, Pumpen und Steuerungen wurden optimiert.
Erlacher: Wichtig ist das Energiemonitoring. Wir erfassen seit vielen Jahren Wärme, Strom und Wasser und haben dieses System weiter verbessert. Wir wissen heute sehr genau, was wir verbrauchen. Man kann nur verbessern, was man auch misst.
OKN: Was hat das alles für Auswirkungen?
Erlacher: Ein gutes Beispiel ist der Zubau Nord. Von 2020 bis 2022 wurden dort rund 17 Millionen Euro investiert. Heute verfügt das Krankenhaus dadurch über rund 10 Prozent mehr Fläche, der Stromverbrauch für das nun insgesamt größere Haus konnte aber trotzdem um etwa 7 Prozent reduziert werden.
Schmid: Das zeigt, dass gute Planung und moderne Technik wirken. Nachhaltigkeit bedeutet nicht automatisch mehr Kosten. Wenn Anlagen besser gesteuert werden und Technik effizienter arbeitet, spart das Energie und Geld.
Erlacher: Deshalb kann man ganz klar sagen: Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehören zusammen!
OKN: Wie groß ist der Verbrauch des Krankenhaus Spittal/Drau?
Erlacher: Wir verbrauchen rund 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht etwa 900 Vier-Personen-Haushalten. Bei der Wärme sind es rund 3,1 Millionen Kilowattstunden. Beim Papier liegen wir bei ungefähr einer Million A4-Seiten pro Jahr. Die Digitalisierung hat hier aber viel reduziert.
Schmid: Auch beim Abfall sieht man die Dimension. Im Jahr 2025 hatten wir rund 280.000 Kilogramm Abfälle. In einem Krankenhaus gibt es ja viele Hygienevorgaben. Trotzdem reduzieren wir Einmalprodukte dort, wo es eben möglich und sinnvoll ist.
OKN: Was wurde bei Photovoltaik und Begrünung umgesetzt?
Schmid: Wir haben bereits fast alle geeigneten Dachflächen mit PV-Anlagen versehen. Das sind 794 Quadratmeter. Sie erzeugen rund 210.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht ungefähr 6 Prozent unseres Strombedarfs.
Erlacher: Bei allen Bauprojekten wird Nachhaltigkeit mitgedacht. 2024 wurden die Ambulanzfassade und die Überdachung der Rettungszufahrt erneuert. Dabei wurde ein begrüntes Flachdach umgesetzt. Auch der Verbindungsgang wurde begrünt. Das hilft gegen Hitze im Umfeld.
OKN: Wo zeigt sich Nachhaltigkeit abseits der Haustechnik?
Erlacher: Bei Investitionen achten wir stärker auf Qualität, Langlebigkeit und regionale Lösungen, soweit das bei Ausschreibungen möglich ist. In der Reinigung setzen wir auf umweltschonende Mittel und Dosiersysteme. In der Medizintechnik haben wir zum Beispiel eine Narkosegasrückgewinnung installiert.
Schmid: Sichtbar wird das auch auf der neuen Dachterrasse mit vielen Grünpflanzen. Dort wachsen Küchenkräuter für die Küche. Außerdem setzen wir auf gesunde Ernährung und nehmen an der Initiative „Gesunde Küche” vom Land Kärnten teil. Wir achten stärker auf regionale und saisonale Lebensmittel.
OKN: Welche Rolle spielen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Erlacher: Wir haben eine eigene Projektgruppe für Nachhaltigkeit eingesetzt. Damit wollen wir am Thema dranbleiben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbinden. Gerade für jüngere Beschäftigte wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Das ist auch ein Thema bei der Mitarbeitergewinnung.
Schmid: Wichtig ist, dass viele mitmachen. Oft bringen kleine Projekte viel. Dazu gehören zum Beispiel auch überdachte Fahrradabstellplätze oder Videokonferenzen, damit Wege vermieden werden. Seit 2025 sind wir außerdem beim Österreichischen Verband Grüner Krankenhäuser dabei. Der Austausch dort hilft uns sehr.
OKN: Was ist als Nächstes geplant?
Schmid: Ein großes Projekt ist das Personalhaus aus den 1970er Jahren. Es wird ökologisch generalsaniert, mit Vollwärmeschutz und Anschluss an die Fernwärme. Auch beim Bauteil Ost erneuern wir laufend die Technik.
Erlacher: Nachhaltigkeit hört nicht am Krankenhaustor auf. Wenn die Hitze zunimmt, steigen auch gesundheitliche Belastungen und damit die Zahl der Patientinnen und Patienten. Wir tragen hier Verantwortung und beginnen bei uns selbst. Als Krankenhaus Spittal/Drau werden wir nicht die Welt verändern, aber wir können ein Vorbild sein.
So viel verbraucht ein Krankenhaus:
- Stromverbrauch pro Jahr: rund 3,3 Millionen Kilowattstunden
- Wärme pro Jahr: rund 3,1 Millionen Kilowattstunden
- Papier pro Jahr: rund 1 Million A4-Seiten
- Abfall 2025: rund 280.000 Kilogramm
Fotos: Krankenhaus Spittal